Griechische Mythologie

Der Stier

Der Stier ist ein auffälliges Wintersternbild und steht rechts von dem berühmten Bild des Orion, der durch seine drei Gürtelsterne von jedem leicht zu finden ist. Besonders auffällig ist Aldebaran, das rote Auge des Stiers, von dem aus man recht einfach die beiden Sterne entdecken kann, die die Hörnerspitzen bilden. Der Stier ist der Göttervater Zeus in einer seiner Tiergestalten.

Zeus ist der Sage nach einer der Söhne von Kronos und Rheia. Er erschlug seinen Vater und wurde zum obersten Gott des griechischen Pantheons, von wo aus er nicht nur die Schicksale der Menschen mit bestimmt, sondern auch über die anderen Götter und vor allem über Donner und Blitz herrscht.
Er ist kein milder Gott - Auflehnung gegen sich bricht er mit Gewalt, er herrscht uneingeschränkt und mit großer Macht. Seine Aufgaben als Schwurgott, als Schützer von Haus und Familie, von Ehre und des Gastrechtes sowie als Schutzherr des griechischen Staates sind vielfältig. Vom höchsten Berg Griechenlands, dem Olymp aus, der Wohnstätte der Götter, blickt er auf die Menschen herab. Dabei erblickt er eines Tages die Tochter von König Agenor, die schöne Europa, und sie ist der Grund für die Stiergestalt des Gottes.

Stier

Das Sternbild Stier

Obwohl Zeus mit seiner Schwester Hera, einer ebenso mächtigen wie schönen Göttin vermählt war, konnte er den Blick nie von den Töchtern der Sterblichen lassen.
Doch er kannte die Eifersucht und den Rachedurst seiner Gattin und wusste zudem, dass die irdischen Jungfrauen selbst - oder gerade - angesichts eines Gottes nicht leicht zu verführen waren. Demnach ersann er eine List und näherte sich der jungen Europa und ihren Gespielinnen, die am Strand Blumenkränze flochten, in der Gestalt eines großen, schönen, makellosen Stiers mit gläsernen Hörner, dem sanftesten Gemüt und dem schönsten, goldenen Fell.
Die Jungfrauen erschraken zuerst, doch dann begannen sie das ungewöhnliche Tier zu streicheln und schließlich fasste Europa so viel Vertrauen, dass sie auf den Rücken des Stiers kletterte, als dieser sich vor ihr niederließ.

Zeus und Europa

Zeus schwimmt als Stier mit Europa auf dem Rücken durch das Meer.

Keine ihrer Freundinnen wagte es, ihr das nach zu machen, und so stand der Stier auf und schritt alleine mit der schönen Prinzessin davon, immer schneller und schneller, stürzte sich ins Meer und schwamm zwei Tage durch die Wellen, seine verängstigte Beute sicher auf dem Rücken. Er brachte sie an die Küste eines unbekannten Landes, verwandelte sich zurück in menschliche Gestalt und verkündete Europa, dass er sie beschützen werde, sollte sie sich ihm hingeben. In ihrer Angst und Not willigte Europa ein.

Zwar bereute sie diesen Entschluß, als sie am nächsten Tag alleine erwachte und versuchte, ihre Jungfernehre dadurch wieder herzustellen, dass sie sich das Leben nehmen wollte. Doch da erschien ihr Aphrodite und erklärte, wer ihr sonderbarer Entführer war und verkündete zugleich, dass der Name der jungen Frau nun unsterblich werden würde, denn das neue Land, auf dem sie jetzt lebte, würde nach ihr Europa genannt werden.